Heisse Tipps für coole Bands
Punkt 5: The Long Tail Die ökonomischen Gegebenheiten des Internets unterscheiden sich von denen der Offline-Welt. Die Punkte, in denen sie sich unterscheiden, bilden sich erst heraus. Aber das wohl am meisten akzeptierte Prinzip ist das des Long-Tail-Effekts. Ursprünglich geht es auf einen Artikel von Chris Anderson zurück, Herausgeber von Wired Magazine; es folgten ein Blog und ein höchst erfolgreiches Buch. Hinter The Long Tail steht eigentlich ein sehr einfaches Konzept. Es ist ein Modell, das eine wichtige Eigenschaft der Online-Welt beschreibt.
Das obere linke Ende der Kurve steht für eine sehr kleine Anzahl beliebter Artikel, die sehr hohe Verkaufszahlen aufweisen. Das sind die Hits. Das nach rechts unten auslaufende Ende („The Long Tail“, „der lange Schwanz“) zeigt eine gewaltige Menge Artikel, die in geringeren Stückzahlen verkauft werden.
Der Kernpunkt in Andersons Artikel ist, dass das Internet es ermöglicht, die riesige Anzahl der Nicht-Hits in einem Ausmaß zu steigern, welches das ökonomische Gewicht der Hits überschreitet. Er argumentiert, genau dies sei geschehen.
In gewisser Hinsicht dreht sich alles um den physischen Raum, die Kapazität. In der Offline-Welt existiert nur begrenzt Platz in einem Regal. Online ist Speicherkapazität kein Problem. In herkömmlichen Plattenläden und Buchhandlungen können nur die beliebtesten Produkte angeboten werden. Im Web dagegen können weitaus mehr Dinge vorgehalten werden, und das führt zu mehreren Erkenntnissen.
Der erste Punkt, der sich daraus ergibt ist, dass mit steigender Anzahl verfügbarer Artikel umso mehr Menschen die Nicht-Hits testen werden. Als Auswirkung dessen werden die Umsätze der beliebtesten Artikel zurückgehen. Wenn 100 Dinge verfügbar sind, werden diese 100 Dinge Umsatzerfolg genießen. Stehen eine Million Dinge zum Kauf bereit, werden die 100 beliebtesten weiterhin Umsatzerfolg genießen. Eine verhältnismäßig größere Menge Menschen wird jedoch den Rest ausprobieren statt die Hits zu kaufen.
Der zweite Punkt ist, dass je mehr verschiedene Artikel angeboten werden, desto mehr Menschen insgesamt kaufen werden. Amazon.com verkauft mehr Bücher als jeder andere Buchhändler, weil sie eine größere Bücherauswahl bietenals jeder andere Buchhändler.
Der dritte und vielleicht wichtigste Aspekt ist, dass der Long-Tail-Effekt nicht nur ein größeres Potenzial für Anbieter auf Massenmärkten darstellt, die beim Online-Gang das Problem der Lagerkapazitäten reduzieren. Es ist auch eine Möglichkeit, einen Markt zu schaffen für eine breite Palette von Nischenangeboten, die mit den eher herkömmlichen Methoden sonst nicht hätten angeboten werden können.
Das Buch trägt zwei Untertitel (einerseits in der amerikanischen und andererseits in der britischen Version), die jeweils unterschiedliche Akzente setzen. Die erste ist: „Warum die Zukunft des Geschäfts darin liegt, weniger von Mehr zu verkaufen“ d.h. der Trick besteht darin, alles verfügbar zu halten und eine kleine Anzahl einer großen Menge von Artikeln zu verkaufen anstatt andersherum. Der zweite Untertitel ist: „Wie eine unendliche Auswahl unbegrenzte Nachfrage generiert“ – eine geringfügig problematischere Behauptung, aber sie beinhaltet Hoffnung für das Geschäft in Nischenmärkten. Es ist eine schlichte Tatsache, dass alle ökonomischen Vorgänge sich in der Online- Welt wandeln. Ein Online-Musikhändler wird nie eine Platte ausverkaufen.
Sie werden nie einen Artikel aus dem Sortiment nehmen müssen, um einen im Lager halten zu können. Es gibt keinen Grund, weshalb Labels Teile ihres Katalogs löschen sollten und unendlich viele Gründe, alles wieder zu veröffentlichen.
Und je einfacher man die Suche gestaltet, desto mehr wird man auf geschäftlicher Seite davon profitieren.
Die tatsächliche Ursache, weshalb die Major Labels auf Probleme stoßen sind nicht Produktpiraterie oder Filesharing. Worum es geht: Es sind nicht mehr allein andere Hits, mit denen sie im Wettbewerb stehen. Heute müssen sie sich gegenüber einer Angebotspalette durchsetzen, die exponentiell größer ist als alles, womit sie es je zu tun hatten. Das Zeitalter der Hits ist vorbei.
Denn der simple und doch schlagkräftige Fakt ist: Zum ersten Mal in der Geschichte ist die Gesamtsumme des wirtschaftlichen Werts des Restangebots größer als die Gesamtsumme des wirtschaftlichen Werts der Bestseller. Amazon hat insgesamt mehr Bücher verkauft, die nicht innerhalb der Top-100-Bestsellerliste standen, als aus der gesamten, kombinierten Top 100. Wahrscheinlich ist sogar die Summe außerhalb der Top 1.000 größer als die der Titel innerhalb.
Rechne den Umsatz aller Platten zusammen, die es im letzten Jahr bis in die Charts geschafft haben. Der wirtschaftliche Wert von all dem, was es nicht einmal annähernd geschafft hat, stellt ihn in den Schatten.
Es ist notwendig, hierzu mehr nachzulesen – denn wenn Du diese Ideen begreifst, könnte es die Gestaltung der Tätigkeit von Grund auf verändern, mit der Du Deinen Lebensunterhalt bestreitest und auch wie viel Geld sie einbringt. Besorg Dir das Buch - oder lies zumindest Andersons Blog.
www.bandberater.de
2010-03-02 12:50
Jeder hat eine Website gesehen. Sie hat eine Homepage mit Foto und eine kleine Einführung. Es gibt eine ziemlich einfache Navigation am oberen oder unteren Rand. Die Menüpunkte sind bezeichnet mit „Über uns / About us“, „Galerie / Gallery“, „Downloads“, „Kontakt / Contact“, „MySpace / Our MySpace“ – und die Links führen Dich genau dorthin, wohin Du es erwarten würdest. An sich betrachtet ist das nicht schlecht. Eigentlich ist es wünschenswert nicht zu versuchen, das Rad neu zu erfinden. Menschen haben festgelegte Erwartungen und möchten kein neues Navigationssystem speziell für Deine Website lernen. Das ist nicht das Problem, das ich hier versuche herauszuarbeiten. Das Problem, auf das ich Dich aufmerksam machen möchte, ist eine unvoreingenommene Ausgangsannahme darüber, wie eine Website gestaltet sein sollte. Im Prinzip sollte die Website Dich rüberbringen und beschreiben, was Du machst. Wichtiger noch ist die Art und Weise, in der sie es tut. Sie sollte vom Publikum so wahrgenommen werden wie Du es Dir wünschst. Dein Musikunternehmen unterscheidet sich von allen anderen. Du machst, was andere nicht machen. Du vermeidest mit Vorbedacht, was andere tun. Und wenn es auch sonst nichts Anderes ist, so spricht hoffentlich zumindest Deine Musik unverwechselbar. Dem wird eine nullachtfünfzehn Website nicht gerecht. Deine Website sollte also mehrere Dinge tun. Vielleicht ist es nicht das Wichtigste, aber eines dieser Dinge ist, Dich und die Art darzustellen wie Du Dich mitteilen willst. Da dies für jeden verschieden sein wird, kann ich nur sagen „denk gründlich darüber nach, was das heißt“.
NewMusicStrategies.com ContentSphere.de Nachdem ich das vorangestellt habe, kann ich Dir einige Beispiele nennen, um Dir ungefähr zu zeigen, was ich meine. Ich denke dabei an die Website einer Künstlerin, die ihren Fans ermöglicht, sich untereinander auf einem Message Board auszutauschen. Es ähnelt einer Pinnwand, an die Notizen geheftet werden. Das ist die Homepage. Alles andere nimmt dort seinen Anfang und ist dort verlinkt, da die Besucher hauptsächlich wegen der Pinnwand zurückkommen. Dann ist da der Veranstaltungsort, dessen Homepage ein „TONIGHT“-Flyer ist. Er informiert auf der ersten Seite darüber, was an diesem betreffenden Abend stattfindet. Das ist ein Grund, die Seite als Lesezeichen abzulegen und wieder zu besuchen – denn wie sich herausgestellt hatte, wollte jeder auf der Website erfahren „Wer steht heute auf dem Programm?“. Man musste ein halbes dutzend Mal klicken, um an diese Information zu kommen, nachdem man sich erst einmal am hübschen Foto der Bar mit dem nett lächelnden Team vorbei gekämpft hat, um den Terminkalender und die Live-Music-Seite zu finden. Dann ist da der Musikverlag, der seinen Schwerpunkt darauf setzen wollte, Syndication-Deals für seine Künstler abzuschließen. Sie zeigten daher verschiedene Videos unterlegt mit unterschiedlicher Musik, um die Art und Weise zu verdeutlichen wie ihr Ansatz funktioniert. Dann ist da das Plattenlabel, das keine eigene Website wollte und sich stattdessen entschieden hat, eigenständige Websites für jeden der Künstler zu verwenden – die jeweils mit allen anderen verlinkt sind. Der Grundgedanke ist, dass Menschen eher nach verwandter Musik schauen und nicht Label-orientiert suchen. Außerdem musst Du nicht Deine Site von Grund auf selber bauen. Heutzutage lassen sich zig vorgefertigte Elemente zusammenfügen, die sich mühelos in einem eigenen Rahmen verwenden lassen. Das ist einer der Vorteile von Web 2.0 (worauf ich später genauer eingehen werde). Du kannst Landkarten von Google Maps in Deine Website integrieren – möglicherweise auf der Tour-Seite, so dass man die Veranstaltungsorte einfacher findet. Du kannst einen personalisierten Amazon-Store direkt in Deine eigene Site einfügen und Geld auf Provisionsbasis verdienen. Du kannst auch T-Shirts verkaufen über einen Anbieter wie Spreadshirt. Du kannst RSS-Feeds verwenden (auch hier gilt: mehr dazu später), um aktuelle News und Inhalte einzubinden, die für das Publikum im gesamten Web relevant sind. Diese Feeds lassen sich für eigene Zwecke anpassen. Du kannst sogar einen „Skype Me“-Button verwenden, so dass Benutzer der Website per Mausklick mit einer echten Person sprechen können, falls es Sinn macht im Rahmen Deines Angebots. Ist man nicht anwesend, kann man es den Benutzer wissen lassen. Das ist erst der Anfang. Das Web ist wie ein Baukasten – wenn man so will, ist es ein bisschen wie Lego. Du kannst so ziemlich alles zusammensetzen wie Du willst. Behalt aber den Design-Aspekt im Auge. Wenn Du das gewünschte Stück nicht finden kannst, lässt es sich immer noch neu bauen. Eine Kombination beider Ansätze ist in der Regel am besten. Das Wichtigste dabei ist, dass Du nicht eine Fertiglösung von der Stange erhältst. Das reicht eventuell für den Anfang aus, und um ins Web zu kommen – wenn Du aber Deinen Lebensunterhalt damit bestreitest, dann wirst Du Dich im positiven Sinne abheben wollen. Die gleiche Website wie jeder andere zu haben, indem man dem gleichen ausgetretenen Pfad folgt führt zu nichts. Nicht dahin, wo Du hin willst.
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2010-02-07 18:32
Es ist eine goldene Regel: Menschen hören Musik, dann mögen sie die Musik, dann kaufen sie die Musik. Dies ist die einzige Reihenfolge, die funktionieren kann. Versuchst Du, die Abfolge in irgendeiner Weise zu ändern, kann es einfach nicht klappen. Es gibt eine ganze Reihe ausgeklügelter Tipps und Tricks zur Vermarktung von Musik, sowohl online als auch offline. Aber wenn Du dieses eine grundlegende Prinzip vermasselst, dann brauchst Du Dir erst gar keine Mühe mehr zu machen.
In Bezug auf den Medienkonsum ist Musik ziemlich einzigartig. Man kauft sich kein Kinoticket, weil man den Film so gut gefunden hat; und obwohl es vorstellbar ist, ein Buch zu kaufen, weil man es bei der Lektüre in der Bücherei so gemocht hat, ist es doch typischerweise so, dass man zuerst kauft und anschließend konsumiert. Vielleicht sind DVDs dem Kauferlebnis von Musik ein wenig ähnlicher. Man mag den Film, also kauft man die DVD. Andererseits tendiert man deswegen dazu, den Film zu mögen, weil man zuvor die Gelegenheit genutzt und bezahlt hat, um ihn im Kino zu sehen. Aber Musik ist anders – und das Radio belegt das. Die bei weitem verlässlichste Methode, Musik zu bewerben ist, sie Menschen zu Gehör zu bringen. Wenn möglich, wiederholt – und umsonst. Hat man Glück, wird ihnen die Musik nach einer Zeit vertraut, und sie beginnen sie zu lieben. Früher oder später werden sie sie besitzen wollen. Das trifft nicht nur für Popmusik zu. Es geht nicht nur darum, einen Ohrwurm in den Köpfen zu verankern, so dass sie sich beim Raustragen des Mülls beim Summen ertappen. So genannte „seriöse“ Musik profitiert ebenfalls von der Vertrautheit – vielleicht sogar noch mehr. Je anspruchsvoller ein Werk ist, destohäufiger muss man ihm ausgesetzt sein, um es wirklich anzunehmen und zu schätzen.
Gefallen an der Musik dreht sich nicht nur um Entertainment. Für viele Menschen ist Musikkonsum ein seriöses Geschäft. Und mit Konsum meine ich nicht nur das Kaufen und Hören. Dazu zählen das Sammeln der Musik, das Sortieren und die Beschäftigung mit der Musik in Bezug auf den eigenen Geschmack. Es ist mehr nötig, als ein Impuls gesteuerter Kauf, um in diese Sphäre einzudringen. So oder so – ob es ein Pop Song ist, ein durch und durch politisches Punkalbum oder eine experimentelle Avantgarde-Suite – der Schlüssel ist ganz einfach: Die Leute müssen die Musik hören; dann werden sie beginnen, sie zu mögen; und schließlich, falls man Glück hat, werden sie eine wirtschaftliche Beziehung eingehen, um die Musik zu konsumieren (und sie nicht nur kaufen oder anhören). Dies ist die Reihenfolge, in der es abläuft. In einer anderen kann es nicht ablaufen.
Es ist sinnlos zu hoffen, dass Menschen die Musik erst kaufen, dann hören und dann mögen würden. Sie werden es einfach nicht. Ich gehe davon aus, Du stimmst mir zu, dass dies keiner hoch theoretischen Wissenschaft bedarf. Es ist völlig offensichtlich, unkompliziert und praxisnah. Dennoch ist es der Fehler, den die meisten begehen, wenn sie Musik online promoten. Niemand möchte im Grunde ein Stück Musik kaufen, das er nicht kennt – geschweige denn eines, das er nicht gehört hat. Insbesondere dann nicht, wenn es von jemandem ist, der außerhalb des gewöhnlichen Bezugsrahmens liegt. Und ein Sample von 30 Sekunden ist eine ziemliche Verschwendung von Zeit und Bandbreite. Tatsächlich ist es mehr als sinnlos. Es ist nicht ausreichend, um Gefallen an Deiner Musik zu finden. Lass sie die Musik hören, behalten und mit ihr leben. Und anschließend holst Du sie als Fans zurück. Mehr als zu jeder Zeit zuvor musst Du diese Beziehung aufbauen. Denn es ist leichter als jemals zuvor, sich nicht weiter darum zu kümmern und einfach weiter zu klicken. Egal wie gut Deine Musik ist, sie steht im Wettstreit mit Millionen anderer Angebote. Millionen. Den Konsumenten die Musik hören zu lassen, ist der einfachste Weg, die Musik zu promoten und ein wirtschaftliches Verhältnis mit dem Konsumenten aufzubauen. Lass ihn die Musik wieder und wieder hören, ohne Einschränkungen. Lass ihn Gefallen finden an Deiner Musik und sie als Bestandteil seiner Sammlung hören. Dann werden sie Dir ihr Geld geben wollen.
Das ist keine Binsenweisheit, die nur für Musik im Web gilt – genauso funktioniert Kapitalismus. Man stellt etwas Werthaltiges zu Verfügung und wird mit Geld entlohnt. Du wirst das Geld nicht im Vorhinein bekommen – und Du wirst nicht entscheiden können, was von Wert ist. www.bandberater.de
2010-01-27 19:37
Ich möchte euch in den nächsten Wochen ein Buch von Andrew Dubber vorstellen, dass es jetzt endlich in der deutschen Übersetzung gibt. (Urheberverletzung finden nicht statt, da dieses Buch zu nicht kommerziellen Zwecken veröffentlicht werden darf.)
Andrew Dubber - ist Leiter des Abschlusskurses für Musikwirtschaft an der University of Central England in Birmingham1,Großbritannien. Er ist tätig als Senior Lecturer und Wissenschaftler mit den Schwerpunkten Online Music, Radio und New Media Technology. Dubbers Hintergrund liegt sowohl in der Rundfunk- als auch in der Musikindustrie. Er hat eine Vielzahl von Artikeln, Beiträgen und Vorträgen hinsichtlich der angesprochenen neuen Strategien und Technologien in beiden Themenbereichen verfasst. In Auftrag gegeben von der UNESCO, verfasste er als Co-Autor ein Buch zu neuen Technologien für Rundfunkunternehmen in Entwicklungsländern. Außerdem ist er Mitglied des Lenkungsausschusses des Radio Studies Network.
Seine Website New Music Strategies widmet sich der Unterstützung kleinerer und mittlerer Unternehmen sowie unabhängiger Künstler im Einsatz neuer Online-Technologien und Strategien mit dem Ziel, deren Einkommen zu steigern und zu ihrem Erfolg beizutragen. Weiterhin liefert der Newswire-Dienst der Site täglich Links zu Artikeln rund um die neuesten Entwicklungen der Musikindustrie. Darüber hinaus betreibt Dubber einen persönlichen Blog2, einen MP3-Blog3und einen Tumblelog4. Trotzdem findet er irgendwie Zeit, seiner Arbeit nachzugehenund mit seiner Familie zu reden.
1 [Anm. des Übersetzers: Die heutige Birmingham City University.]
1. Glaube nicht dem Hype:
Sandi Thorn, The Arctic Monkeys und Lily Allen sind nicht allein wegen MySpace megaberühmt, megareich und megaerfolgreich. Sie sind es auch nicht, weil sie auf wundersame Weise die Mengen zu Tausenden auf ihre selbst gebastelte Website gezogen haben. PR, traditionelle Medien, Plattenlabels und Geld – allesamt waren sie im Spiel.
Musik im Web wird in der Presselandschaft heiß diskutiert, und es gibt etliche vorherrschende Richtungen innerhalb der Beiträge. Meistens sind sie nicht wahr.
Gerade, wenn es um das Thema „Musik im Web“ geht, zahlt es sich aus, Tatsachen von Fiktion und Hype von Realität unterscheiden zu können. Insbesondere dann, wenn der Lebensunterhalt davon abhängt. Hier sind die zwei wichtigsten Dinge, auf die man achten sollte:
1. 1. Technologischer Determinismus.
Insbesondere in der Durchschnittspresse ist es eine beliebte Annahme, dass Technologie die Geschichte vorantreibt. Dieser Annahme folgend, führt die technologische Entwicklung zu einer Veränderung der Regeln, denen unsere Lebensgewohnheiten, unsere geschäftlichen Unternehmungen und unsere Freizeit unterliegen. Gewöhnlich äußert sich dies entweder als Fortschritt oder als Rückschritt: eine mutige neue Welt voller Chancen oder der Verlust einer älteren,natürlicheren Herangehensweise. Fortschritt: Im Fall der Online Music sind diese Umstände sehr deutlich zu sehen: MySpace „gab uns“ die Arctic Monkeys und Lily Allen.Heimgebasteltes Webstreaming führte zur Erfolgsstory von SandiThorn. Technologischer Determinismus besagt, dass das neuartige Internetumfeld es erlaubte, die traditionellen Torwächter zu umgehen und eine Welle öffentlicher Begeisterung anwachsen zu lassen
– allein als Ergebnis der bloßen Macht eines großartigen Künstlers, der unmittelbaren Kontakt zu den Massen hat. Rückschritt: Und dann gibt es da die Story darüber, wie das Internet der Plattenindustrie „das Ende“ bereitet. Downloads und das Brennen von CDs sind einzig und allein verantwortlich für den fortschreitenden Niedergang der Major Labels. Sie verursachen den Rückgang der Ladenverkäufe und untergraben herkömmliche, „natürliche“ Modelleder Musikdistribution und des Musikkonsums. In Folge dessen werden Rechteinhabern ihre verdienten Einnahmen vorenthalten, die ihnen als Beteiligten des kreativen Prozesses zustehen. Blödsinn.
Tatsächlich können diese Dinge nicht von Technologie „verursacht“ werden. Die Technologie verändert sich, und wir entscheiden uns, wie wir darauf reagieren.
Wir handeln gemäß eigener Entscheidungskraft und können die Veränderungen der Medien nur dann mitgestalten, wenn wir sie verstehen, sobald sie eintreten.
1. 2. Menschen haben einen Hang zum Lügen.
Gut, vielleicht ist „lügen“ zu hart gewählt. Aber wenn Du etwas über Musik im Web liest, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es sich um PR und Marketing handelt. Lass Dir nichts weismachen – vorsichtig geschätzt, entstammen 70% dessen, was es in die Medien schafft einer Pressemeldung. Wahrscheinlich ist die Zahl in Wirklichkeit höher.
Geht man bei der Lektüre davon aus, dass der Artikel auf eine Pressemeldung zurückgeht, ermöglicht dies, auf tendenzielle Darstellungen, Schönfärberei und Voreingenommenheit zu achten. Das sollte Dir nicht neu sein. Aber die meisten Menschen scheinen es zu vergessen, wenn es um Dinge geht, die sie nicht ganz durchschauen – und Technologie ist einer dieser Bereiche.
Nun… falls Du beispielsweise liest, auf MySpace kämen Bands groß raus, sollte Dir als Erstes folgende Frage durch den Kopf gehen: “Wer profitiert davon, dass ich das glaube?“. Dann erinnerst Du Dich, dass eine tolle Story den Verkaufsererfolg einer Band fördert. Je mehr die Story sich darum dreht, das die Band wirklich großartig und nicht bloß ein Marketing-Produkt ist, umso größer wird derVerkaufserfolg sein. Eventuell fällt Dir sogar ein, dass der Typ, dem Fox News gehört, genau der gleiche Typ ist, dem MySpace gehört.
Wenn Du also hörst, Sandi Thorn wurde von Sony unter Vertrag genommen, weil 100.000 Leute ihren nächtlichen Webstream live aus ihrer Wohnung in London abgerufen hätten, erinnerst Du Dich zunächst daran, es erst gehört zu haben NACHDEM sie bei Sony unterschrieben hatte. Das Erste, woran Du denkst, ist die Pressemitteilung. Du fragst Dich, wer diese Pressemitteilung veröffentlicht haben könnte, und wer die ganzen Fotografen zur Unterzeichnung“ gebracht hat.
Dann fällt Dir ein, dass Bandbreite Geld kostet. Und dass es technische Einschränkungen für die Upstream-Bandbreite bei Netzanbindungen von Privatbenutzern gibt. Falls Sandi Thorn derart viele Zuhörer/Zuschauer ohne Firmenunterstützunggehabt hätte, wäre sie höchstwahrscheinlich die Betreiberin eines eigenen ISP-Unternehmens, das einige tausend Euros Ausgaben, aber keine nennenswerten Einnahmen hätte.
Letztendlich wird Dir klar, Sandi Thorn hatte bereits zuvor einen Presseagenten – und war aller Wahrscheinlichkeit nach bereits bei Sony unter Vertrag, als sie ihre Karriere begann.
Das Motiv der Welle unaufgeforderter Unterstützung ist eine großartige Story
und ist ebenso beeindruckend wie die scheinbar von jedermann akzeptierte Geschichte,dass Norah Jones ein Phänomen der Mundpropaganda ist – wobei sie eigentlich überall auf Plakaten, in der TV-Werbung und im Radio präsent war.
Kurzum:
Die Moral der Geschicht ist, Hype hindert uns daran zu verstehen, was wirklich vor sich geht und in welchem Umfang. Wenn wir diese Vorgänge nicht durchschauen, dann fällt es uns schwer, sie selbst zu steuern.
Wenn Du heutzutage im Musikgeschäft irgendwie vorankommen willst, darfst Du keiner wundersamen MySpace-Erfolgsstory vertrauen. Genauso wenig darf man die Gefahren einer vor Dieben strotzenden und von „verlorenen Verkäufen“ durchsetzten feindseligen Umwelt fürchten.
Es ist besser, den Geschichten über Online-Erfolge und –Miseren mit Argwohn zu begegnen und neue Technologien einfach als eine Palette von Hilfsmitteln zubetrachten, die man aufgreifen kann. Auch kann man sie als eine Abfolge von Änderungen des Geschäftsumfelds verstehen, denen man sich anpassen kann.
2010-01-06 18:00
| Blogger Thilo Heß
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Seitdem klar ist das mehrfache Wertungen nicht zählen und auffallen, bekommen manche Bands kaum noch ... - nicht schlecht...
100 stimmen in 5 minuten? trotzdem net schlecht :D
weisst du wie lange ich ... - :)
Es kommt ja sowieso noch eine Nachauswahl ;-). Aber 500 Stimmen hätte ich auch nicht ... - Hammer!!!
Und Super Sympathisch sind se auch! Die Meinung des Publikums ist für sie sehr wichtig! ... - ???
Noch 12 Minuten und wir brauchen noch weit über 500 Stimmen!
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